Professor Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen – die Denkmaschine

Heute möchte ich auf eine geniale, sehr lustige und mitunter auch etwas steampunkige Krimi-Hörspielserie hinweisen, die schon etwas in die Jahre gekommen ist und daher einigen Lesern nicht bekannt sein dürfte:

Professor van Dusen

Der Professor würde jetzt vermutlich sagen: “Berichten Sie! Detailliert, präzise und von Anfang an!”. Und Hatch würde darauf antworten: “Nun gut, ganz wie Sie meinen, Professor. Hören ist gehorchen.”

Dann wollen wir mal:

Der US-amerikanische Schriftsteller Jacques Futrelle (der pikanterweise später beim Untergang der Titanic verschied) schrieb im Jahr 1900 die ersten Kriminalgeschichten um den fiktiven Wissenschaftler und Amateur-Kriminologen Professor van Dusen sowie seinen Chronisten, Begleiter und Assistenten Hutchinson Hatch, Reporter beim Daily New Yorker. Einige der Geschichten um dieses Zweiergespann wurden 1978 durch Michael Koser in Hörspielform gebracht und – nach anfänglichen Zweifeln – vom RIAS Berlin produziert und gesendet. Der umwerfende Erfolg führte schließlich dazu, dass Koser zwischen 1978 und 1999 insgesamt 77 Folgen schrieb, wobei er schon früh eigene Geschichten verfasste, die nur noch grob auf der Vorlage Futrelles basierten. Die Geschichten spielen zwischen 1898 und 1912.

Doch nun zum Inhalt:

Professor Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen gilt auf vielen Gebieten als größter Wissenschaftler der Welt. Sein Opus Magnum ist die “Atomare Strukturtheorie der Elemente”, an deren Vollendung er während der ganzen Serie arbeitet. Zudem betätigt er sich – quasi zur intellektuellen Ablenkung – gelegentlich als Amateur-Kriminologe – wobei ihm das “Amateur” SEHR wichtig ist! Man sollte auch besser nicht den Fehler begehen ihn als Detektiv zu bezeichnen! Da nimmt es der Professor sehr genau. Sein Wahlspruch lautet “Zwei plus zwei ist vier. Immer und überall!”
Als Kapazität auf dem Gebiet der Kriminologie wird er des öfteren von den meist hilf- und ahnungslosen Vertretern der staatlichen Strafverfolgung um Unterstützung bei besonders verzwickten Fällen gebeten. Begleitet und assistiert wird er dabei von Hutchinson Hatch, seines Zeichens Reporter beim Daily New Yorker. Dieser übernimmt auch die Rolle des Chronisten und Erzählers, was bei den zwar exakten aber auch sehr gestelzt wirkenden Ausführungen des Professors bitter Not tut.
Spielen die Fälle anfangs noch in New York, so begibt sich das Duo schon bald auf Weltreise um Kriminalfälle an den exotischsten Orten der Welt zu lösen, wobei sie zahlreichen Berühmtheiten der damaligen Zeit begegnen, sowohl realen, wie auch fiktiven (leicht verfälscht). Um nur ein paar zu nennen: Kaiser Wilhelm II, Houdini, Shemlock Homes und Dr. Watts, Dr. Lasker, Doktor Tschu Man Fu, Thomas Alva Edison, Arsene Lupin und viele andere.

Das wunderbare an diesen Hörspielen ist die sehr lustige Zweierbeziehung der beiden Protagonisten, die in der späteren Serie immer weiter verfeinert wird. Auf der einen Seite der kühle Logiker und reine Intellekt des Professors, auf der anderen der etwas ahnungslose, hedonistische Hatch, der am liebsten Zigarren raucht, Whisky trinkt und ausgedehnten Essen gegenüber nicht abgeneigt ist. Den oft bissigen Spitzen des Professors hat Hatch meist nichts zu entgegnen. Doch wenn es hart auf hart kommt, halten die beiden zusammen wie Pech und Schwefel, wobei van Dusen eher die Denk- und Hatch den Großteil der Fußarbeit erledigt – eben jeder nach seinem Können.

Auch der Steampunk-Faktor kommt hier nicht zu kurz. Neben den liebevollen Milieu-Studien erfindet der Professor auch hin und wieder einige Dinge, die seiner Zeit weit voraus sind und zur Lösung des Falls beitragen bzw. den beiden gar aus einer gefährlichen Klemme helfen. Insbesondere für das Rollenspiel Private Eye ist diese Serie eine wahre Fundgrube an kriminalistischen Ideen.

Wissenswertes

  • Der Professor wird kongenial gesprochen von Friedrich W. Bauschulte, Hutchinson Hatch ebenso gut von Klaus Herm.
  • Die Folgen sind leider nicht offiziell erhältlich und wurden meines Wissens auch nie für den Handel heraus gegeben (z.B. als CD oder Kassette). Man ist daher auf Radiomitschnitte oder das *öhömm* Inter*hust*net angewiesen
  • Michael Koser ist auch der Autor der ebenfalls empfehlenswerten Science Fiction Krimi-Hörspielserie “Jonas – der letzte Detektiv”, sowie der weniger bekannten Serie “Cocktail für zwei”
  • Es gibt eine Comic-Adaption einiger van Dusen Fälle bei lulu.com
  • Die Veröffentlichungsreihenfolge entspricht nicht der chronologischen Folge der Fälle. Ich empfehle die Folgen chronologisch zu hören, da es in den einzelnen Folgen immer wieder Anspielungen und Referenzen zu früheren Fällen gibt.
  • Die späteren Folgen wurden vom Deutschlandradio gesendet
  • Bis auf zwei Doppelfolgen sind alle Folgen ca. eine Stunde lang
  • Die verwendeten (meist klassischen) Musikstücke tragen ihr eigenes zur Stimmung der Folgen bei und sind bei den Fans der Serie sehr beliebt

Links

Und nicht vergessen:

2 + 2 = 4

Immer und überall!

4 Kommentare zu “Professor Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen – die Denkmaschine”

  1. Tom

    Schön dass Du van Dusen ansprichst. Hab die Serie auch erst im letzten Jahr kennen und schätzen gelernt, nachdem am Cthulhu Stammtisch immer davon erzählt wurde.
    Die Hörspiele sind durch die Bank durch eine Topempfehlung für jeden.

  2. Prof. van Dusen – Die Denkmaschine :Clockworker – Steampunk

    [...] bleibt mir nicht mehr als ein kleines Bild einzufügen, den geneigten Leser auf die Steampunk-Welten zu verweisen, den Artikel dort ausdrücklich zu loben und Ihnen Prof. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen natürlich [...]

  3. Agent I.

    Hi folks, euch kann jetzt wieder geholfen werden – im Herbst gibt es den guten Professor als CD im Handel – JUCHEI!

  4. agent I

    Wieder was Neues aus dem Hause highscoremusic und Professor Dr.Dr.Dr. Augustus van Dusen

    Hier bei YouTube gibt es ein tolles Interview – mit einem Aufruf, das van Dusen nicht nur in unseren Herzen leben, sondern auch in unseren Regalen stehen soll – für immer!!!
    http://www.youtube.com/watch?v=WenuHhcPczk

    Also – redet darüber,twittert, postet, schreibt es – kauft es!

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