Filmkritik: Sherlock Holmes

Matthias am 5. Februar 2010 um 15:23

So! Wider besseren Wissens habe ich es getan: Ich habe mir Guy Ritchies Neuauflage von “Sherlock Holmes” angesehen, damit ich fundiert mitreden kann. Nur, was soll ich dazu sagen? Das ist gar nicht so einfach, da der Film sehr stark polarisiert. Ja, das tun viele Filme, ich weiß. Aber er ist ein besonders extremer Vertreter dieser Spezies.

Über den Inhalt will ich hier nicht viel sagen, das dürfte den meisten schon aus dem Trailer bekannt sein. Ein böser, schwarzmagischer Kultist ermordet mehrere Leute, kehrt von den Toten zurück und strebt nach der Macht. Holmes und Watson versuchen, dem ein Ende zu bereiten.

Der Film ist handwerklich gut gemacht, spannend erzählt und die Ausstattung (Kulisse und Kostüme) ist ein wahrer Augenschmaus, was insbesondere dem viktorianischen London zugute kommt. Auch der Steampunk-Aspekt wird gegen Ende hin mit einer wundersam aussehenden Maschine gestreift.

Der anspruchslose Zuschauer bekommt einen sehr modernen Hollywood Blockbuster nach bewährtem Strickmuster mit viel Action, rasanten Kamerafahrten, Explosionen, harten Kämpfen und recht ansehnlichem Staraufgebot.
Wer keine nennenswerten Kenntnisse über die Sherlock Holmes Geschichten oder die Epoche hat und auf Einheitsbrei Popcorn-Kino steht wird genau das bekommen und sich sicherlich auch gut unterhalten.

Soweit so gut.

Wer jedoch schon die ein oder andere Holmes-Geschichte gelesen oder zumindest ein paar Folgen der britischen Fernsehserie mit Jeremy Brett gesehen hat, wird das Kino höchst angewidert verlassen, denn der Film hat eigentlich nur noch die Namen der Protagonisten und ein paar wenige Charakterzüge mit der literarischen Vorlage gemein. Hier wurde Stil und Klasse des Originals brutal auf dem Altar des Kommerz geopfert um daraus einen höchst mittelmäßigen Film zu produzieren, der aber – und da bin ich mir leider recht sicher – seine Kosten gut einspielen und den Großteil des Publikums begeistern wird.

Leider bestätigten sich alle Vermutungen, die ich damals nach dem Trailer hatte als zutreffend. Die Rollen wurden allesamt schlecht gecastet, zumindest wenn man auf Authentizität Wert legt.

Robert Downey Jr. ist zwar bemüht, Holmes als Sonderling darzustellen, aber es gelingt ihm nur ansatzweise, die Tiefe dieser Figur zu beleuchten. Und was sollen bitteschön diese ständigen Action-Prügeleinlagen? Und Ninja-Holmes? Ich bitte Euch! Das geht komplett in die Hose! Holmes ist ein Mann des Geistes, nicht der Gewalt.

Watson sieht eher wie ein Straßenpolizist in seinen Dreißigern aus, denn ein gealterter Militärarzt Anfang Fünfzig. Und in den Geschichten prügelt er sich auch nicht ständig. Gelegentlich hat er einen Revolver dabei, aber das war es dann auch schon größtenteils.

Mark Strong wirkt als Erzbösewicht Lord Blackwood so klischeehaft überzogen, dass er besser in einen Superheldenfilm gepasst hätte, bzw. sogar Lord Voldemort wie ein naives Pfadfindermädchen aussehen lässt. Peinlich und unglaubwürdig!

Rachel McAdams spielt als Irene Adler die weibliche Nebenrolle. Sie ist zwar durchaus hübsch anzusehen, spielt Irene jedoch als billiges, lüsternes Flittchen statt als “Die Frau” – wie Holmes sie immer bewundernd nannte. Er war von ihr hauptsächlich intellektuell angetan, weniger körperlich. Ihr Verhalten im Film geziemt sich nicht für eine Lady ihres Standes in dieser Epoche und ist verglichen mit der Romanvorlage “A Scandal in Bohemia” eine glatte Themenverfehlung.

Generell sind alle Figuren sehr epochenuntypisch dargestellt. Mr. Ritchie ist scheinbar der Auffassung, dass Stil, Anstand und gutes Benehmen nicht mehr zeitgemäß sind oder gar das heutige Publikum überfordern.
Und was bitteschön soll die ganze Action und die Explosionen? Wenn ich einen Actionfilm sehen will, gehe ich in James Bond, Demolition Man oder Star Wars, aber nicht in Sherlock Holmes!
Statt diesen wunderbaren Stoff so zu vergewaltigen hätte er besser eine Fortsetzung zu Snatch drehen sollen, der Stoff liegt ihm deutlich besser.

Fazit

Wer auf anspruchsloses Popcornkino steht und nie eine Holmes-Geschichte gelesen hat bekommt zwei Stunden durchschnittliche Unterhaltung.
Wer hier eine auch nur ansatzweise werksgetreue Verfilmung des Stoffes und der Figuren von Sir Arthur Conan Doyle erwartet wird bitter enttäuscht und sollte lieber auf den einzig wahren Sherlock Holmes zurück greifen: Jeremy Brett.
Eine Fortsetzung zu Sherlock Holmes ist bereits in Planung. Ich werde mir dieses Machwerk aber definitiv nicht mehr ansehen.

Cthulhus Ruf: Sir Arthur Conan Doyle, der Detektiv

Matthias am 29. Januar 2010 um 23:50

Nebenan bei cthulhu.de gibt es einen interessanten Artikel über eine BBC-Produktion zu den realen detektivischen Qualitäten des Sherlock Holmes Autors Sir Arthur Conan Doyle.
Vielen ist Doyle nur als Schriftsteller bekannt, doch er hat auch durchaus die Holmesche Arbeitsweise auf reale Kriminalfälle angewendet und so manchen unschuldig Beschuldigten Gerechtigkeit gebracht. Sehr sehenswert!

Anime: War of the Worlds Goliath

Matthias am 25. Januar 2010 um 01:31

Es ist ja schon etwas länger bekannt, dass an einem Anime-Remake des Krieg der Welten Stoffes gearbeitet wird. Aber jetzt gibt es endlich die ersten bewegten Bilder – und die hauen einen wirklich um!
Zur Story: 15 Jahre nach den Ereignissen aus “Krieg der Welten” nähert sich erneut eine marsianische Invasionsarmee der Erde, doch diesmal sind wir besser vorbereitet, denn wir haben die alten, besiegten Dreibeiner ausgeschlachtet, und uns die Technologie des Feindes angeeignet! Diesmal haben wir unsere eigenen, dampfbetriebenen Kampfläufer! Inklusive Hitzestrahlen! Und 300m große Zeppelin-Flugzeugträger!
Der Film hat wirklich alles im Repertoire, was einen Steampunk-Film richtig gut machen kann. Eine wilde Mischung aus Steampunk, erster Weltkrieg, 30er Jahre und SF. Unbedingt den Trailer ansehen! Jetzt sofort!

Trailer und behind the scenes findet Ihr auf der offiziellen Homepage.

Ich freue mich jedenfalls auf die hoffentlich baldige Veröffentlichung. Auf der Homepage steht zumindest “early 2010″. :)

Mars gibt Rätsel auf

Matthias am 19. Januar 2010 um 10:53

Das heutige Astronomy Picture of the Day zeigt eine phantastische Aufnahme der Marsoberfläche nahe des Nordpols, erstellt vom Mars Reconnaissance Orbiter. Man sieht zart-rosa Sanddünen die teilweise mit Frost bedeckt sind. Doch das wirklich ungewöhnliche sind die dunklen Streifen, die beinahe wie die Schatten von Bäumen aussehen. In Wirklichkeit handelt es sich um dunkleren Sand aus tieferen Schichten,der durch das Frühlings-Tauwetter freigelegt wird. Doch das macht das Bild nicht weniger spektakulär.

Spielleiter des Rollenspiels Space 1889 können dieses Phänomen verwenden, um ihre Spieler ins Grübeln zu bringen, idealerweise bei einer Polarexpedition wie z. B. im Abenteuer “The Puzzle of the Shard” (Challenge-Magazin 41).

Bild: HiRISE, NASA

Die Androiden des schweizer Uhrmachers Pierre Jaquet-Droz

Matthias am 3. Januar 2010 um 11:40

Über einen Beitrag im Steampunk Magazine bin ich auf ein tolles Video über die Androiden des schweizer Uhrmachers Pierre Jaquet-Droz gestoßen. Dieser stellte bereits im Jahre 1774 drei wunderschöne und mechanisch verblüffende Androiden der Weltöffentlichkeit vor, den Schreiber, die Organistin und den Zeichner.

Der Schreiber kann mit Feder und Tusche beliebige Texte mit höchstens 40 Zeichen (tja, Ihr geschwätzigen Twitterer, nix mit 140!) in mehreren Zeilen schreiben, die Organistin spielt verschiedene Stücke auf einer kleinen Orgel und der Zeichner kann vier unterschiedliche Zeichnung anfertigen. Details und Fotos gibt es bei Wikipedia (schnell lesen, bevor es wegen Irrelevanz gelöscht wird ;) ).
Der Schreiber gilt übrigens bei manchen bereits als primitiver Computer, da der Text über Nockenscheiben probrammierbar war.

Hier das Video:

(größere Version bei youtube)

Steampunk-Rollenspielartikel bei Clockworker

Matthias am 28. Dezember 2009 um 16:31

Nebenan bei Clockworker.de gibt es einen lesenswerten Artikel über Steampunk-Rollenspiele, inklusive einiger Systemübersichten. Insbesondere Space 1889 wird sehr ausführlich vorgestellt. Doch auch viele andere Rollenspiele werden beschrieben, unter anderem Castle Falkenstein, Midgard 1880, Cthulhu by Gaslight und GURPS. Sehr empfehlenswert!

Update:
So, nachdem ich mich jetzt durch die 28 Seiten Text durchgearbeitet habe muss ich leider etwas Kritik üben. Auf Clockwerker.de steht zwar, der Autor Hermann Ritter hätte alles nochmal überarbeitet, aber so weit ist es damit leider nicht her. Einige Informationen sind hoffnungslos veraltet und manche inzwischen sogar falsch. Ein paar Beispiele:

  • Zu Midgard 1880 ist 2002 ein sehr guter Hintergrundband erschienen, der das Manko der Regelbox mehr als nur beseitigt! Und zwar Rainer Nagels Compendium (ich berichtete damals).
  • GURPS wird zwar behandelt, das hervorragende “GURPS Steampunk” wird jedoch nicht erwähnt – und dabei hat der Band sogar den Origins Award gewonnen und ist bereits Ende 2000 erschienen!
  • Die Angaben zu GURPS Horror stimmen nur für die erste Auflage. In späteren Auflagen flog der Teil über die viktorianische Zeitlinie leider komplett raus.
  • Private Eye ist erst kürzlich als Hardcover in einer komplett überarbeiteten Neuauflage erschienen, mit deutlich erweitertem Umfang (und mehr als 15 Seiten Regeln).
  • Zu Cthulhu gibt es bei Pegasus noch den empfehlenswerten London Band, der im Regal eines jeden Cthulhu by Gaslight Spielleiters stehen sollte.
  • “Ravenloft: Masque of the Red Death” ist ebenfalls als einzelner Hardcoverband neu erschienen, mit komplett anderem Inhalt (ich habe beide und hatte es kaum wieder erkannt)
  • usw…

Das soll jetzt kein Rant über den Artikel sein – seinerzeit war der wirklich gut – und den Teil über das Material zu Space 1889 in den Challenge-Magazinen habe ich richtig verschlungen, aber irgendwie werde ich den Verdacht nicht los, dass hier nur Texte verwendet wurden, die auf dem Stand von vor über 10 Jahren sind. Ich stehe zwar auf das Fin de siècle, aber Artikel dürfen durchaus aktueller sein. Hier hätte eine gründliche inhaltliche Überarbeitung wirklich Not getan. Vielleicht will der Autor nochmal nachbessern?

2. Update:
Nachdem Meister Serenus jetzt nachgebessert hat habe ich auch nichts mehr zu meckern! ;)
Und die Infos zu Space 1889 werden meiner Spielgruppe sicherlich zugute kommen. :)

26C3: Teslas wireless power transfer

Matthias am 27. Dezember 2009 um 18:28

Heute gibt es einen interessanten Vortrag auf dem 26. Chaos Communication Congress zum Thema “Wireless power transfer”.

Ich zitiere mal aus der Infoseite zum Vortrag:

Wireless power is a most wanted technology. It has already been invented by Nikola Tesla in 1888. The speaker read the papers, reproduced the theoretical and practical results. The theoretical idea to get highly efficient wireless power transmission is to separate the electric from the magnetic field, because a magnetic field needs always a south and north pole, while the electric field only needs a common ground (the earth). This is done by special requirements to the sender and receiver antennas (form of the coil). The antenna form has been modeled in the software nec2 (variant xnec2c on debian). A lowcost PET bottle serves as the hull of the coil. Around 200 windings are braid wire are manually applied to the bottle. A transmission in the range of 10 meters was reached, the power used were 10 V modulated to a 1 MHz frequency. This will be demonstrated.

Den Vortrag kann man auch als Videostream ansehen. Infos dazu findet Ihr auf den offiziellen 26c3 Streaming-Seiten.

Ort: 26c3, Saal 3

Zeit: 21:45 Uhr

Update der Blogsoftware

Matthias am 27. Dezember 2009 um 15:18

Heute hatte ich endlich einmal Zeit, Wordpress zu aktualisieren. Es scheint alles funktioniert zu haben, inklusive dem Serverumzug (den brauchte ich wegen einer neueren Datenbankversion).
Sollte einem Äthernauten doch noch ein Fehlerchen auffallen: Bitte in den Kommentarbereich damit. Danke!

Update: Feder&Schwert goes Steampunk

Matthias am 14. Dezember 2009 um 11:41

Ein kurzes Update zu den Steampunk-Bestrebungen von Feder&Schwert:

Die geplanten und bereits erfolgten Veröffentlichungen werden sich auf Romane beschränken, Rollenspiele sind derzeit nicht geplant. Es sind bereits zwei Romane erschienen, “Salzträume Band 1” und “Salzträume Band 2” der Autorin Ju Honisch. Das Setting ist Steamfantasy, spielt in Österreich und erinnert mich etwas an Castle Falkenstein.

Ein weiterer Band “Das mechanische Herz” der amerikanischen Autorin Dru Pagliassotti wird voraussichtlich im Februar 2010 erscheinen. Die Beschreibung klingt jedenfalls sehr steampunkig und vielversprechend!

Feder und Schwert Steampunk Cover

Celestia goes Space 1889

Matthias am 13. Dezember 2009 um 14:19

Steampunk Mars in CelestiaIch hatte vor einiger Zeit über die Astronomiesoftware Celestia berichtet. Ich war inzwischen nicht untätig und will Euch heute einmal einen Zwischenschritt meines geplanten Space 1889 Addons präsentieren (einfach links auf das Bild klicken).

Ihr seht dort eine alternative Marstextur, die ich aus den drei verfügbaren Marskarten des Space 1889 Regelwerks zusammen gestellt habe, nachdem ich diese durch eine Kartenprojektionssoftware gejagt, aneinander geklebt und als Durchpausvorlage verwendet habe. Die Karte enthält bereits alle Städte, Kanäle (funktionstüchtig und versandet), Gebirge, Sumfgebiete, Polkappen und Tiefebenen. Es fehlt nur noch die Beschriftung der Städte und Regionen. Das ganze ist übrigens bewusst als Kartenansicht geplant aber evtl. werde ich auch noch eine zusätzliche Version erstellen, die den Mars so zeigt, wie ein Ätherkapitän ihn aus dem Orbit sehen würde, inkl. Stadtlichtern auf der Nachtseite.

Da die drei Originalkarten sehr inkonsistent und selbst beim besten Willen nicht deckungsgleich zu bringen sind (teilweise haben die selben Städte andere Namen oder fehlen völlig, manche Kanäle sind auf einer Karte versandet, auf der anderen nicht und die Umrisse der Tiefebenen stimmen nicht überein), musste ich hier und da Kompromisse eingehen oder nach Gutdünken entscheiden. Aber im großen und ganzen bin ich mit dem Ergebnis schon recht zufrieden.

Die Marskarte von Space 1889 ist übrigens keineswegs freie Fiktion. Wenn man sie über die echte Marstextur legt, kann man sehen, dass sich die Tiefebenen mit den dunklen Gebieten des echten Mars decken. Das Coprates Valley der Belgier deckt sich mit dem echten Valles Marineris und auch einige Stadt- und Gebietsnamen decken sich mit existierenden Regionen des Mars (z.B. liegt das fiktive Syrtis Major im echten Sytris Major Planum).

Die Venus habe ich auch schon im Auge…